Die Filmkritik zu Anonymous 0

18.11.2011

geschrieben von - (Kritiken, Top-Thema)


Mit Anonymus beschreitet Roland Emmerich, der Regisseur der mehr für die Krach-Bumm-Weltuntergang-Filme bekannt ist, neue Wege. Denn in seinem neusten Werk widmet er sich einer kontroversen These rund um einen der populärsten Schriftsteller der Menschheitsgeschichte. Doch ist das Ganze nur provokante, wenig durchdachte Kost oder ein tolles Kinoerlebnis? Wir haben uns  die Kinokarte gegönnt und haben zusammen mit der englischen Königin eine Zeitreise gewagt.

Kommen wir zu Beginn zur wohl kürzesten Story-Beschreibung in der Geschichte unserer Seite. Mit Anonymus wird die Therorie beleuchtet, dass William Shakespeare (Rafe Spall) all seine berühmten Werke, wie Romeo und Julia oder Hamlet nicht selbst verfasst hat, sondern der Graf von Oxford (Rhys Ifans), der aufgrund der Stellung von Literatur in Adelskreisen, seine Ergüsse dem jungen Autor Ben Jonson (Sebastian Armesto) zusteckt. Durch einen Umstand wird William Shakespeare in der Öffentlichkeit als wahrer Autor anerkannt, obwohl er nur ein einfacher Schauspieler ist. Des weiteren entbrannt in politischen Kreisen ein Machtkampf zwischen dem Haus Oxford und dem Haus der Cecils.

Schnell erläutert ist die Geschichte des Films schon, allerdings ist sie nicht ansatzweise so einfach zu verstehen, wenn man erst Mal im Kino Platz genommen hat. Dieser Umstand rührt von verschiedenen Aspekten. Zum einen befasst sich der Film nicht nur mit der angesprochenen Hauptthese, sondern auch mit dem Leben im englischen Königshaus, in dem es heftig brodelt und Intrigen und Verrat zum Alltag gehören. Dabei fallen viele Namen der diversen Grafen und Earls am Hofe der Königin. So fällt es anfangs schwer, den Überblick zu behalten. Hinzu kommt, dass die Geschichte stellenweise unchronologisch erzählt wird, so gibt es einige unangekündigte Rückblenden, die weitere Verwirrung stiften. Ein klare Struktur bietet das Werk nicht und durch die angehobene Sprache wird das Ganze schnell zu schwer verdaulicher Kost. Allerdings sind das schon die größten Minuspunkte des Films, denn hat man sich erst ein Mal auf diese neue-alte Welt eingelassen und sich langsam einen Überblick über die diversen Charaktere verschafft, entfaltet sich eine komplexe Geschichte. Die mit allerhand Inhalt aufwartet und vor allen von den geschickt inszenierten Szenen profitiert. Roland Emmerich erweist sich überraschend, nach Machwerken wie Godzilla oder 2012, als durchaus kunstvoller Regisseur. Des weiteren wird der Film durch die gelungenen Darstellerleistungen getragen. Überwiegend ist der Film mit unbekannteren englischen Schauspielern besetzt, aus deren Reihen vor allen Vannesa Redgrave als Queen Elizabeth und Rhys Ifans, als “wahrer” Autor hinausragen und sicherlich auch zum engeren Favoritenkreis für die Nominierunggen der kommenden Oscarverleihung gehören werden. Am selben Abend könnten auch die für die Ausstattung und Optik Verantwortlichen gekührt werden. Denn optisch spielt der Film ganz oben mit. Da geben sich atmosphärische Schauplätze die Klinke in die Hand und authentische Kostüme am Körper der Darsteller, erzeugen eine in sich stimmige Historienwelt.

Fazit: Anonymous ist auf jeden Fall ein spezieller Film, gleichzeitig der beste von Emmerich. Nicht jeder wird den Zugang finden und an der Vielzahl der Charaktere und dem schleppenden Verlauf verzweifeln. Des weiteren krankt der Film an der umständlich konstruierten Geschichte und den vielen verwobenen Handlungsstrengen. Lässt man diese Punkte aber außer Acht und kommt bei der Story mit, ist Anonymous ein überaus gelungener Film, der durch sein bombastisches Äußeres, die großartigen Darsteller und die geschickte Inszenierung überzeugen kann.

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