Die Blu-ray-Kritik zu “Wer wenn nicht wir” 0
Die RAF gehört sicherlich zu einem der dramatischsten Kapitel der deutschen Geschichte. Der Film Wer wenn nicht wir widmet sich nun der Entstehungsgeschichte der Roten-Armee-Fraktion und beleuchtet vor allen die Geschichte von Gudrun Ensslin, Bernward Vesper und wie sie unter anderen Andreas Baader kennengelernt haben. Natürlich ein nicht ganz einfaches Thema, was es nun authentisch umzusetzen gilt.
Bernward Vesper (August Diehl) wächst als Sohn eines berühmten Schrittstellers auf. Er selber möchte auch gerne unter die Autoren gehen. In Gudrun Ensslin (Lena Lauzemis) findet er eine Verbündete und gründet mit ihr zusammen im Jahre 1963 einen Verlag. Zu erst wenig lukrativ, zieht es die beiden nach Berlin wo sie endlich erste Erfolge einfahren können. Außerdem lernen sie dort neue Leute kennen, mit denen sie weitere Geschäfte eingehen und unter anderen Revolutionsparolen aus Amerika importieren und in Deutschland herausgeben. So zieht es sie während der Studentenunruhen in politische Gefilde und sie lernen den jungen Andreas Bader (Alexander Fehling) kennen und zumindest Gudrun fühlt sich zu ihm hingezogen und unterstützt ihn bei seinen Plänen, etwas in Deutschland zu verändern.
Ein sicherlich kontroverses Thema welches in Wer wenn nicht wir behandelt wird. Umgesetzt wird das Ganze von Regisseur Andres Veiel (Black Box BRD) und seine Inszenierung ist wirklich gelungen, jedes Szene wirkt passend und stimmig. Allerdings ist das größte Problem des Films, dass viele wichtige Ereignisse nur angedeutet werden und viele Zuschauer, die sich mit der Thematik nicht so gut auskennen, Probleme bekommen und der Story nicht mehr so ganz folgen könnten. Außerdem wird gerade der Wandel der Hauptcharaktere zu schnell dargestellt und dem grandios und intensiv aufspielenden August Diehl (Die kommenden Tage, Salt) werden leider nur wenige Szenen gewährt, um den Wandel zum Wahnsinn gekonnt darzustellen. Allerdings bestechen alle Schauspieler durch eine herausragende Leistung. Der schon erwähnte Diehl spielt unglaublich glaubhaft und legt die beste Leistung ab, aber auch Lena Lauzemis spielt überzeugend und Alexander Fehling (Goethe!) liefert ebenfalls eine authentische Darstellung des Andreas Baader ab. Der Film stellt zudem Mal nicht die bekannten Ereignisse in den Vordergrund, sondern die Beziehung der Charaktere zu ihren Eltern, dass wird den Zuschauer sicherlich verwundern, allerdings wurde es hier gekonnt und interessant umgesetzt. Hinzu kommt die atmosphärische Kulisse, die sechziger Jahre in Deutschland wurden hier wirklich gut getroffen und die Zeitsprünge werden von originalen und bekannten Ausschnitten des jeweiligen Jahrs unterlegt. In diesen Szenen gewinnt der Film eine dokumentarische Komponente, die sicherlich durch die Filmographie des Regisseurs bedingt ist. Andres Veiel hat bisher nur Dokumentationen gedreht, die sich aber immer durch einen künstlerischen Aspekt ausgezeichnet haben. Bei Wer wenn nicht wir ist das nun umgedreht, Spielfilm mit historischen Hintergrund der einige Merkmale eines Dokumentarfilms durchblicken lässt. Dadurch gelingt es dem Film allerdings nicht den Zuschauer wirklich mitzureißen, weil zu selten einem Handlungsstrang längere Laufzeit gewidmet wird.
Die Blu-ray: Die Scheibe weißt einen guten Schärfe-Grad auf, allerdings fällt gerade in dunkel gehaltenen Szenen ein starkes Rauschen auf. Außerdem wirken manche Szenen etwas unschärfer als andere. Der Ton liegt in einem gut abgemischten DTS-HD 5.1 vor. Extras sind reichlich vorhanden. Interviews mit den beiden Hauptdarstellern und dem Regisseur, der zudem auch einen Audiokommentar ein gesprochen hat, vermitteln einen guten Eindruck, warum und wie der Film gedreht wurde. Zudem ist eine fast 60 Minuten lange Dokumentation über Andreas Baader enthalten, die den geschichtlichen Hintergrund zum Film verdeutlicht und den Hauptfilm gut ergänzt. Noch eine gute Nachricht für alle Feinde der großen FSK-Logos, der Film hat ein Wendecover.
Fazit: Wer wenn nicht wir bietet eine etwas andere und interessante Sichtweise auf die Geschehnisse vor und während der Zeit der RAF. Allerdings möchte der Film zu viel auf einmal erzählen, so dass die überragenden Darsteller-Leistungen nicht komplett zum tragen kommen können. Alles in allem ist Wer wenn nicht wir ein gutes Werk zu dieser Thematik, der es aber nicht vermag dem Zuschauer mitzureißen und einige Schwächen im Drehbuch aufweist.
Der Film erscheint am 14. Oktober auf DVD und Blu-ray.
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